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10.05.2022, 12:38 Uhr | BdV-Hessen
Ausstellung „MITGENOMMEN – Heimat in Dingen“ im Wiesbadener Haus der Heimat eröffnet
Alltagsgegenstände erinnern an Flucht, Vertreibung und Deportation

Wiesbaden - Der hessische Landesverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) zeigt vom 27. April bis 10. Juni 2022 in Kooperation mit dem Haus des Deutschen Ostens München die Ausstellung „MITGENOMMEN – Heimat in Dingen“ im Wiesbadener Haus der Heimat. Die Wanderausstellung, die am 26. April eröffnet wurde, erinnert an Flucht, Vertreibung und Deportation der Deutschen aus dem östlichen Europa und erzählt beispielhaft anhand von Alltagsgegenständen, die im Flucht- und Vertreibungsgepäck mitgenommen wurden, von persönlichen Schicksalen, wie sie bis heute von Krieg, Gewalt und Verfolgung bedrohte Menschen auf der ganzen Welt erleben müssen.

Ausstellungeröffnung im Haus der Heimat

Der zerfledderte Teddybär aus dem Rucksack eines kleinen Brünner Mädchens, der Blechteller aus dem Lager in Ungarn oder die Schlüssel von „Zuhause“ in Oberschlesien - auf den ersten Blick sind es banale Alltagsgegenstände, die in der Ausstellung zu sehen sind. Für ihre Besitzer und deren Nachkommen haben sie jedoch ihren hohen ideellen Erinnerungswert nie verloren. Dies betonte auch die hessische BdV-Landeskulturreferentin Rose-Lore Scholz anlässlich der Ausstellungseröffnung, zu der sie die geladenen Gäste im Haus der Heimat begrüßte. Einen herzlichen Dank richtete sie an alle Leihgeber der zahlreichen Exponate und an die Mitarbeiterinnen der BdV-Landesgeschäftsstelle, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben. Zugleich verwies die Landeskulturreferentin auf die traurige Aktualität des Themas, da nach über 70 Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa wieder Hunderttausende auf der Flucht vor Krieg und Gewalt seien.

Ab 4. Mai ist eine Aufzeichnung der Eröffnung sowie ein virtueller Rundgang durch die Ausstellung auf dem YouTube-Kanal des BdV-Landesverbandes Hessen CULTURE TO GO unter www.youtube.com/culturetogo zu sehen.

„Friedliches und geeintes Europa bleibt wichtiger Auftrag“

Stefan Sauer, Staatssekretär im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport, hob in seinem Grußwort die Bedeutung einer lebendigen Gedenk- und Kulturarbeit hervor. Die Vertreibung von Millionen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg sei ein Unrecht gewesen. Das erschütternde Schicksal der Heimatvertriebenen solle daher niemals in Vergessenheit geraten. Gerade vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges dankte Sauer dem BdV-Landesverband für seine Arbeit: „Mit Ihrer seit Jahrzehnten betriebenen Politik der Verständigung und des Ausgleiches haben Sie sich zudem stets für den Aufbau eines friedlichen und geeinten Europa eingesetzt, was auch weiterhin ein wichtiger Auftrag bleiben wird.“

Die Ausstellung

Der eigens aus München angereiste Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, Prof. Dr. Andreas Otto Weber, führte in die Ausstellungsthematik ein. Die Ausstellung sei bereits 2015 anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes entstanden. Die Schicksale von Flüchtlingen, Vertriebenen, Deportierten und Aussiedlern auf einer persönlichen Ebene darzustellen, sei dabei das erklärte Ziel der Ausstellungsmacher gewesen. Ein Aufruf zur Einsendung von Gegenständen, die im Flucht- und Vertreibungsgepäck mitgenommen wurden, und den dazugehörigen Geschichten habe am Anfang des Projekts gestanden. Bewusst habe man die Ausstellung nicht mit musealen Exponaten, sondern mit Dingen aus Familienbesitz bestücken wollen, die für die Besitzer oder deren Nachkommen einen emotionalen Wert haben, so Prof. Weber.

Eine berührende Familiengeschichte

Zu den Exponaten, die in der Ausstellung zu sehen sind, gehören ein alter Firmenstempel und weitere Dokumente der Firma „J. Püchner Spezial-Holzblasinstrumentebau GmbH“. Die persönlich haftende Gesellschafterin des Unternehmens, Gabriele Nilsson-Püchner, erzählte anhand eines sogenannten „Maßebuches“ des Firmengründers für den Bau von Holzblasinstrumenten, das sie zur Ausstellungseröffnung mitgebracht hatte, von ihrer Firmen- und Familiengeschichte, die ihre Wurzeln im böhmischen Graslitz hat. 1897 meldete Vinzenz Püchner dort ein Gewerbe als Holzblasinstrumentenmacher an. Als die Familie 1948 ihre Heimat verlassen musste, schmuggelten Familienmitglieder das für den Instrumentenbau unersetzliche „Maßebuch“ heimlich über die Grenze, da die Mitnahme von Firmeneigentum unter Strafe verboten war. Nach der Vertreibung fand das Familienunternehmen, das inzwischen in vierter Generation geführt wird, im hessischen Nauheim ein neues Zuhause.
Musikalisch begleitet wurde der Vortrag von Gabriele Nilsson-Püchner von ihrem aus Schweden stammenden Ehemann Magnus Nilsson, Solofagottist des Helsingborg Sinfonieorchesters Schweden, der mit seinem Fagott aus dem Hause Püchner Spezial-Holzblasinstrumentebau unter anderem den Egerländer Marsch spielte.

Die Ausstellung ist vom 27. April bis 10. Juni 2022 im Wiesbadener Haus der Heimat, Friedrichstr. 35, mittwochs und donnerstags von 10 bis 17 Uhr sowie freitags von 10 bis 14 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Realisierung der Ausstellung wurde gefördert durch das Hessische Ministerium des Innern und für Sport.
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