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23.03.2012, 10:11 Uhr Übersicht | Drucken
Landsmannschaft der Oberschlesier zum Zensus 2011 in Polen: „Ohne deutsches Schulsystem geht der Assimilierungsprozess weiter“
Deutsche Minderheit braucht mehr als nur einen gesetzlichen Rahmen

Zu den Vorabergebnissen des Zensus 2011 in Polen erklärt der Bundesreferent für Kultur und Medien der Landsmannschaft der Oberschlesier e.V.:


„Die Ergebnisse des Zensus 2011 in Polen sind in Bezug auf die deutsche Volksgruppe und die Nennung der deutschen Nationalität natürlich enttäuschend aber nicht überraschend. Denn sie sind Ergebnis einer konsequenten Assimilierungspolitik in der zeit des Kommunismus und darüber hinaus.

Eine Minderheit kann sich immer dann gut Entwickeln und prosperieren, wenn die gesetzlichen, gesellschaftlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen gut sind. Hierzu muss man bemerken, dass sich die gesetzlichen Grundlagen für die deutsche Volksgruppe in Polen seit der politischen Wende 1989 und dann noch einmal seit dem EU-Beitritt Polens mit dem Minderheitengesetz deutlich verbessert haben. Der gesetzliche Rahmen kann durchaus als vorbildlich bezeichnet werden.

Auf der anderen Seite muss man jedoch konstatieren, dass im infrastrukturellen und gesellschaftlichen Bereich noch deutliche Defizite vorliegen. Zu nennen sind hier vor allem das Fehlen einer Bildungsinfrastruktur mit Deutsch als Unterrichtssprache und die teilweise noch deutlich wahrnehmbar fehlende gesellschaftliche Akzeptanz für die Anliegen der Minderheit. Diese Defizite sind im Bericht des Europarates zur Umsetzung der Europäischen Sprachencharta in Polen bestens beschrieben.

Diese Defizite führen dazu, dass der Assimilierungsprozess der deutschen Volksgruppe weiterhin voranschreitet. Gerade die fehlende Bildung in der Muttersprache verhindert die Sprachbindung und somit auch die kulturelle Anbindung unserer Landsleute an das Land ihrer Vorväter. Zudem begünstigt sie den Identitätsverlust sowie die Orientierung zum so genannten Schlesiertum. Diesbezüglich darf man die berechtigte Vermutung anstellen, dass viele Menschen, die eine schlesische Nationalität beim Zensus angegeben haben, eigentlich der deutschen Volksgruppe zuzurechnen wären.

Man muss leider feststellen, dass weder die polnische noch die deutsche Regierung eine proaktive Rolle bei der Beseitigung der im Bericht des Europarats genannten Defizite übernimmt. Die Situation der Deutschen in Polen kann man mit einem Haus vergleichen. Der gute gesetzliche Rahmen bildet die schmucke Fassade. Bei der inneren Ausgestaltung, also Einrichtung, fehlt es an allen Ecken und Enden. Leide wird, so zum Beispiel beim 20. Jubiläum des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages, fast ausschließlich nur die schmucke Fassade dann nach außen präsentiert und der Eindruck erweckt, als ob wir es insgesamt mit einer vorbildlichen Situation zu tun hätten.

Deshalb ist die Aussage, die der Präsident des Verbandes deutscher Gesellschaften in Polen (VdG), Bernard Gaida, am vergangenen Mittwoch in einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Konferenz „Minderheiten in Europa“ im bayerischen Tutzing geäußert hat, richtig. Er sagte, dass ein gesetzlicher Rahmen allein nicht ausreiche. Noch deutlicher drückte sich der Vorsitzende der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV), Jan Diedrichsen, aus, indem er sagte, dass die Deutschen in Polen das brauchen, was die Dänen in Deutschland längst haben: ein vernünftiges Bildungssystem und den Zugang zu Medien. Ebenso stellte er in diesem Zusammenhang fest, dass Deutschland ganz klar erklären müsse, was es im Hinblick auf die deutsche Minderheit in Polen wolle. Er forderte diesbezüglich einen ehrlichen Dialog zwischen deutscher Volksgruppe und der Bundesregierung.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass wir uns von den Zahlen des Zensus 2011 nicht irritieren lassen sollten. Vielmehr sollten sie zum Anlass genommen werden, eine klare Erklärung beider Regierungen einzufordern. Wenn sie es mit dem Erhalt und der Weiterentwicklung der deutschen Volksgruppe in Polen ernst meinen, dann muss zeitnah über den Aufbau eines Bildungssystem für die Deutschen in Polen, zum Beispiel nach dem Vorbild des deutsch-dänischen Grenzgebiets, gesprochen werden. Andernfalls wird man zum nächsten runden Jubiläum des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages den Vollzug der Assimilierung der deutschen Volksgruppe vermelden können. Wie dann allerdings ihr Brückenfunktion zwischen dem deutschen und Polnischen Volk aussehen soll, müssen die Regierungen dann beantworten.“

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