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31.01.2012, 14:07 Uhr Übersicht | Drucken
Wladarz: „Unsere Landsleute haben ein Recht auf Muttersprache. Bundesregierung muss ihrer Fürsorgepflicht gerecht werden"
Reise zur Amtseinführung S.E. Prof. Jan Kopiec / Gemeinsame Gedenkstunde in Lamsdorf / Besuch in Hultschiner Ländchen

Ratingen / Oberschlesien. Durch alle Teile Oberschlesiens führte eine Reise den Bundeskulturreferenten der Landsmannschaft der Oberschlesier e.V. (LdO), Sebastian Wladarz am vergangenen Wochenende. Offizieller Anlass war eine Einladung zur Amtseinführung des neuen Gleiwitzer Bischofs, S.E. Prof. Jan Kopiec, der Hauptzelebrant der Sonntagsmesse beim Europatag der Oberschlesier 2010 in Rheinberg war.

Doch zuvor führte der Weg Wladarz nach Ratibor zum Sitz des „Radio Mittendrin“. Mittendrin ist ein deutsch-polnisches Radioprojekt, das von der Minderheit organisiert wird. „Dieses Projekt könnte fortentwickelt werden und zu einem richtigen Medienorgan der Minderheit werden, dafür müsste es jedoch mehr Mittel geben. Ich hoffe daher, dass man an entscheidenden Stellen dieses Potential erkennt“, richtet sich Wladarz an potentielle Förderer. Denn ohne Finanzielle Unterstützung werde das Projekt nicht aus den Kinderschuhen kommen können, „was sehr schade wäre“.
 
Im Begegnungszentrum Hultschin traf Wladarz dann auf Maria Roncka, die eine Gruppe von sehr aktiven Deutschen in der Tschechischen Republik leitet. „Wir arbeiten hier in relativ bescheidenen Verhältnissen, aber wir müssen es für unsere Landsleute tun“, erläuterte Roncka kurz ihre Arbeitsbedingungen. Noch vor wenigen Tagen hatte sie Besuch as Prag gehabt und bescheinigt bekommen, dass sie eine der aktivsten Gruppen der Deutschen in Tschechien leitet. Wladarz wiederum freute sich sehr über die Begegnung in Tschechien: „Man vergisst zu oft, dass Oberschlesien nicht nur in den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien, also dem heutigen Polen, stattfindet. Auch das Hultschiner Ländchen gehört dazu. Wenn wir von der Zusammenarbeit aller Oberschlesier sprechen, dürfen wir unsere Landsleute hier nicht vergessen“. Gerade die Tatsache, dass sich Oberschlesien auf drei Länder erstrecke, mache es zu einer so interessanten kulturellen Region höchsten europäischen Ranges, betonte der gebürtige Gleiwitzer und fügte hinzu: „Das ermöglicht uns die Planung von trilateralen Projekten, wie sie die EU auch fördert. Und das allein aus Oberschlesien heraus“. Und auch Roncka hielt ein Plädoyer auf eine stärkere Zusammenarbeit aller Oberschlesier: „Wir müssen alle zusammenhalten. Wir dürfen nicht aufgeben, sonst geht unser kulturelles Erbe verloren, und das wollen wir nicht“.
 
Um ein interessantes Projekt ging es dann auch bei einem Treffen mit Michal Staniszewski, Ratsmitglied der Stadt Beuthen. Er hat einen Konzertzyklus zu Ehren von Mutter Eva (von Thiele-Winckler) ins Leben gerufen. Die aus einem reichen Hause stammende Oberschlesierin wurde in Beuthen geboren und war ihr Leben lang als Diakonisse tätig. Sie war eine der ersten Frauen in einer Führungsposition innerhalb der Diakonie. „Das Werk Mutter Evas hat mich so beeindruckt, dass ich als Ratsmitglied für den Stadtteil Miechowitz, wo sie geboren wurde, unbedingt etwas tun wollte, um an eine große Oberschlesierin zu erinnern“, erklärt Staniszewski. Herausgekommen sei ein Konzertzyklus klassischer Musik, den man nun mit einem deutschen Partner bereichern wolle. „Eine prima Idee, die wir gerne unterstützen möchten. Mutter Eva ist auch schon deshalb interessant, weil sie im überwiegend katholischen Oberschlesien, als evangelische Ordensfrau, wie ein Leuchtturm wirkt“, sagte Wladarz seinem beuthener Kollegen eine Unterstützung zu.
 
Bei der darauf folgenden Amtseinführung von S.E. Prof. Jan Kopiec wurde auch der scheidende Bischof, S.E. Jan Wieczorek verabschiedet. „Für uns ist es wichtig, dass auf diesem besonderen Fleckchen Erde ein Hirte sein Werk tut, der diese Erde kennt und auch die Menschen versteht. Wir danken deshalb Jan Wieczorek für fast 20 Jahre hervorragende Arbeit. Er ist nicht umsonst Ehrenbürger von Gleiwitz geworden. Gleichzeitig glauben wir, dass Papst Benedikt eine gute Wahl für einen Nachfolger getroffen hat“, sagt Wladarz. Bischof Kopiec ist in Hindenburg geboren und hat in Beuthen als Priester gearbeitet, bevor er Weihbischof in Oppeln wurde. „Er kennt also Land und Leute hier bestens“. Für die Gratulationen habe sich Kopiec herzlich bedankt und darauf bestanden, weiter im Kontakt zu verbleiben.
 
Beim Anschließenden Empfang hat der Bundeskulturreferent dann einige Landsleute aus den DFKs sprechen dürfen. Ein wichtiges Thema: Messen in deutscher Sprache. „Gleichlautender Tenor war es, dass es zu wenig bekannt ist, wann und wo deutsche Messen in den einzelnen Pfarrgemeinden stattfinden“, resümiert Wladarz die Gespräche. Es gebe zwar genügend Priester, die den Gottesdienst auf Deutsch gestalten können, doch sei es im Allgemeinen zu wenig bekannt. „Ich werde diese Erkenntnisse mitnehmen und schauen, wie wir über unseren Visitator an den neuen Bischof herantreten können, um zu erreichen, dass die Möglichkeiten für die deutsche Bevölkerung in der Diözese Gleiwitz etwas offensiver in der Öffentlichkeit dargestellt werden“, sagte Wladarz zu. Auch Religionsunterricht in Deutsch wäre aus Wladarz’ Sicht ein Thema. „Dies hat Bischof Prof. Andreas Czaja im vergangenen Jahr in Oppeln schon angesprochen. Auch in der Diözese Gleiwitz sollten wir das Thema anpacken“, sagt der Geiwitzer.
 
Am letzten Tag der Visite wurde es zunächst sehr bedächtig. In Lamsdorf, dem ehemaligen deutschen und später polnischen Lager, wurde der Toten der „Oberschlesischen Tragödie“ im Winter 1945 gedacht. Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurden im Lager Lamsdorf von Rotarmisten und der polnischen kommunistischen Miliz tausende deutsche Oberschlesier gefoltert und ermordet. Schlesienweit wurden Häuser abgebrannt und Frauen vergewaltigt und ermordet. Auch Kinder kamen hier unschuldig ums Leben.
 
Nach einem Gottesdienst legte Bundeskulturreferent der LdO, Sebastian Wladarz, einen Kranz auf dem Friedhof für die Opfer (zentrale Gedenkstätte) nieder. An der vom Verband deutscher Gesellschaften (VdG) organisierten Gedenkfeier nahmen, neben zahlreichen Besuchern, auch Vertreter des Oppelner Woiwoden  und des Marschallamtes teil. „Dieses gemeinsame Gedenken ist ein positives Zeichen in die richtige Richtung, ein Zeichen, dass man sich der historischen Wahrheit nähert. Es würde mich sehr freuen, wenn dies dann auch in eine gemeinsame Erklärung, wie sie von den Deutschen im Oppelner Landtag angeregt wurde, münden würde“, erklärt Wladarz. Die Würdigung und Akzeptanz von historischen Wahrheiten sei die Basis für jede Versöhnung und Freundschaft. Vielmehr sei sie auch die Basis eines vertrauensvollen und friedlichen Zusammenlebens in einer Gesellschaft.
 
Erfreuliche Nachrichten konnte Wladarz dann am Abend beim DFK Nedza (bei Ratibor) entgegennehmen. Hier sei es gelungen, nach einem Führungswechsel wieder mehr Mitglieder zu gewinnen, berichtete der DFK-Vorsitzende. Wobei er etwas Wasser in den Wein gießen musste: „Wir bekommen vom Verband kaum finanzielle Unterstützung für die Begegnungsstätte, weil sie nicht unser Eigentum ist. So könnten wir viele Arbeiten, die nötig oder wünschenswert wären, gar nicht erst erledigen“.
 
Groß sei das Interesse an den Samstagskursen. Die Kinder lernten gerne Deutsch und seien immer leicht betrübt, wenn die Stunden wieder vorbei sind. „Wenn man das hört, freut sich das Herz. Und es ist ein Zeichen dafür, dass wenn man hier deutsche Kindergärten und Schulen erst einmal hätte, die Nachfrage sich sicherlich einstellen würde“, freut sich Wladarz und betont: „Ich möchte keinen Punkt meiner Reise geringer schätzen, aber das war bei Weitem die erfreulichste Nachricht, die man mir überbracht hat. Zeigt sie doch, dass die Minderheit den Bericht des Europarates über Minderheitensprachen in Polen und das kleine noch zur Verfügung stehende Zeitfenster nutzen sollte, um die deutsche Volksgruppe von unten herauf zu stärken“. Eine Aufgabe, die vom VdG zu forcieren sei, wie man übereinstimmend feststellte. Dies sei allerdings nicht von Polen aus alleine zu stemmen. „Die Landsleute brauchen deutsche Hilfe. Die Bundesregierung muss ihrer Fürsorgepflicht gerecht werden und unsere Landsleute bei der Durchsetzung ihres mehrfach verbrieften Rechts auf die Eigene Sprache unterstützen. Da haben die Menschen Anspruch drauf, weil sie Deutsche sind“, fordert Wladarz energisch.

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