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26.10.2016, 22:37 Uhr |
Klaus Plaszczek zum 100. Geburtstag von Dr. Erich Mende: „Geradliniger, heimattreuer Politiker und Kämpfer für das Selbstbestimmungsrecht"
Auftrag der Fürsorge und Obhutspflicht für Deutsche im Ausland gilt noch heute


Anlässlich des 100. Geburtstages des in Groß Strehlitz / Oberschlesien geborenen ehemaligen Bundesministers für Gesamtdeutsche Fragen, Dr. Erich Mende erklärt der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier Klaus Plaszczek:

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Erich Mende (1961), Foto: Bundesarchiv/Wikipedia
„Dr. Erich Mende war ein Oberschlesier mit Herz und Verstand, der sich im Laufe seines Lebens, insbesondere während seiner politischen Laufbahn, stets zu seiner Herkunft, Heimat und seinen Landsleuten bekannte. Der Jurist und Berufssoldat entdeckte bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Politik für sich. So war er 1946 Mitbegründer der liberalen Partei für die britische Besatzungszone und wurde deren Landessekretär.

Nachdem Mende 1947 Stadtverordneter in Opladen wurde, führte ihn der Weg bereits 1949 in den Deutschen Bundestag. Als junger Abgeordneter setzte sich der gebürtige Oberschlesier insbesondere für die Kriegsopfer und Heimkehrer ein. Wichtig waren ihm auch Jugend- und Deutschlandfragen, sowie eine Verständigung mit Russland. So war er der Ansicht, dass Deutschlands Außenpolitik, auf Basis der Grundsätze der Selbstbestimmung, der Lage des Landes in Mitteleuropa Rechnung tragen, den entspannende Ausgleich nach allen Seiten suchen und damit der Erhaltung des Friedens dienen müsse.

Durch seine Geradlinigkeit wurde Dr. Erich Mende zu einem erfolgreichen Politiker. 1953 wurde er Vizechef der FDP Nordrhein-Westfalen und der Fraktion der Liberalen im Deutschen Bundestag. Bereits 1956 stieg Mende zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden seiner Partei auf, ein Jahr später übernahm er dann die Führung der liberalen Bundestagsfraktion. Am 29. Januar 1960 erklomm der Oberschlesier die Spitze der Bundes-FDP und wurde ihr Vorsitzender. Im Kabinett des Bundeskanzlers Prof. Dr. Ludwig Erhard übernahm er schließlich am 17. Oktober 1963 das Ministeramt für Gesamtdeutsche Fragen und wurde Stellvertreter des Bundeskanzlers. Der Deutsche Bundestag ehrte ihn durch die Aufnahme in die Schrift „40 Jahre Deutscher Bundestag“. Mende verstarb am 6. Mai 1998 in Bonn.

Die Politische Laufbahn von Dr. Erich Mende war stets von seiner Grundhaltung zum Recht des Deutschen auf freie Selbstbestimmung geprägt. So sagte er auf dem Jahreskongress der ostdeutschen Landsmannschaften als Bundesvorsitzender der FDP: „Solange ich als Schlesier Bundesvorsitzender der FDP bin, wird sich an dem Bekenntnis zum Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes und seinem Anspruch auf einen gerechten Frieden, der erst Endgültig über Grenzen entscheiden kann, nichts ändern“. Genau diese Überzeugung veranlasste ihn, aufgrund der Ratifizierung „Ostverträge“ unter Bundeskanzler Willy Brandt, zur CDU zu wechseln. Und so geht auf ihn eine Entschließung des Deutschen Bundestages zurück, in der es heißt, dass die Verträge (Ostverträge) eine friedensvertragliche Regelung für Deutschland nicht vorwegnehmen und keine Rechtsgrundlage für die bestehenden Grenzen schaffen. Dort wird auch vom "unveräußerlichen Recht auf Selbstbestimmung“ gesprochen, das Erich Mende stets so wichtig war.

Dr. Erich Mende blieb sich, seiner Überzeugung und seiner Heimat treu. Er bekannte sich im Deutschen Bundestag, in dem er bis 1980 Mitglied war, stets zur Geschichte Schlesiens und betonte, dass er „im Schatten des heiligen Berges, des Annaberges“ aufgewachsen ist. Und deshalb rief er als Abgeordneter der CDU seinen Landsleuten zu: „Die größte Partei der Bundesrepublik Deutschland (…) wird ihre Fürsorge und Obhutspflicht für die Landsleute in Schlesien, Ostpreußen und Pommern niemals preisgeben“.

Dieser Ausruf von Dr. Erich Mende ist auch heute, wenn auch in einer anderen Form und im anderen Umfeld, weiterhin gültig. Die Bundesregierung muss heute in einem freien und vereinten Europa weiterhin dafür Sorge tragen, dass die deutschen Minderheiten ihr kulturelles und sprachliches Erbe sowie ihre Identität als Deutsche erhalten können. Insbesondere in Polen, wo die größte deutsche Minderheit lebt, müssen das Jahrzehnte lange Sprachverbot, die kulturelle Entwurzelung und der Identitätsverlust durch die Schaffung von Minderheitenschulen mit Deutsch als Unterrichtssprache aufgehalten und umgedreht werden. Gerade unsere Landsleute in Mendes Heimat Oberschlesien brauchen die von ihm verlangte Fürsorge und Obhut der Deutschen Bundesregierung. Diese müssen und werden wir immer wieder einfordern“


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