Landsmannschaft der Oberschlesier e.V. - Heimat ∙ Vaterland ∙ Europa 
02:25 Uhr | 23.08.2017 StartseiteStartseiteKontaktKontaktImpressumImpressumSitemapInhaltsverzeichnis
 







RP-Topnews
Einkaufen und Landsmannschaft unterstützen - klicke hier!
Neuigkeiten
02.02.2016, 08:11 Uhr | Übersicht | Druckansicht
Gute Nachbarschaft ja, aber es gibt noch einige Baustellen
Plaszczek schreibt an Lammert zum 25. Jubiläum des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages


In diesem Jahr haben Deutsche und Polen etwas zu feiern: 25 Jahre gute Nachbarschaft. In einem Brief an den Präsidenten des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Norbert Lammert MdB, hat deshalb der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier, Klaus Plaszczek, ein Resümee der Umsetzung des Vertragswerks seit dem Letzten Jubiläum gezogen.


Foto
Bundesvorsitzender Plaszczek mit Norbert Lammert
Zunächst hat sich der gebürtige Hindenburger aber nicht nehmen lassen, auf die Arbeit der der Höseler Institutionen hinzuweisen: Dass sich die Oberschlesier, insbesondere die Landsmannschaft der Oberschlesier, die Stiftung Haus Oberschlesien und das Oberschlesische Landesmuseum schon Jahrzehnte vor dieser Vertragsunterzeichnung für die deutsch-polnische Versöhnung engagiert und damit das Fundament für diese gute Nachbarschaft gelegt haben, davon konnten Sie sich persönlich bei Ihrem Besuch in Ratingen-Hösel überzeugen. Für diesen Besuch danken wir Ihnen herzlich." Dies sei schon deswegen erwähnenswert, "weil weder die Vertriebenen und Aussiedler noch ihre Institutionen als wichtige Brückenbauer im Vertragswerk explizit erwähnt werden", ergänzte Plaszczek. Man könne sich höchstens unter Art. 29 Abs. 2 als „andere gesellschaftliche Organisationen und Verbände“ subsumieren.

Dennoch wollte er das Jubiläumsjahr nutzen, auch offen anzusprechen, was es noch an Defiziten in der Umsetzung des Vertragswerks geben. Dabei legte Plaszczek den Schwerpunkt auf die Sprache und zitierte den Art. 20 Abs. 1 des Nachbarschaftsvertrages. Darin garantieren die Vertragsparteien das Recht auf Erhalt der ethnischen, kulturellen, sprachlichen und religiösen Identität, und zwar frei von jeglichem Assimilationszwang. "Ein immer noch fehlendes Bildungssystem mit Deutsch als vorherrschender Unterrichtssprache erhöht aber den Assimilationsdruck. Der Europarat hat zuletzt im Dezember 2015 wiederholt das Fehlen eines solchen Bildungssystems gerügt", erklärt Plaszczek. Damit verstoße Polen nicht nur gegen die selbst unterzeichnete Europäische Sprachencharta, sondern auch gegen Art. 20 Abs. 2 des Nachbarschaftsvertrages, in dem es sich zur Umsetzung internationaler Minderheitenstandards verpflichtet hat.

Im Weiteren ging Plaszczek auch auf das Thema "Deutsch im öffentlichen Raum" ein und wies auf die im zweiten Staatenbericht zur Überwachung der Europäischen Sprachencharta versprochenen Verbesserungen hin, die dann vom polnischen Parlament allerdings nicht umgesetzt wurden. "Das Verhalten war nicht ganz sauber. Die angekündigten Verbesserungen hätten 20 Gemeinden mehr mit zweisprachigen Ortstafeln bedeutet und auch 20 Gemeindeämter mehr mit Deutsch als Hilfssprache. Herausgekommen ist nichts", kritisiert Plaszczek. 

Auch der Zugang zu den Medien sei bisher unbefriedigend gelöst. Von einer Gleichberechtigung gemäß Art. 20 Abs. 3 3. Spiegelstrich könne nicht gesprochen werden. Die Sendeplätze, die von der deutschen Minderheit belegt werden könnten, seien absolut unattraktiv. Auch die Verhandlungen um eine eigene Frequenz seien im Stocken, obwohl sich die Vertragsparteien in der "Gemeinsamen Erklärung" darauf geeinigt hätten, dieses Projekt voranzutreiben. Zudem stocke es bei der in der "gemeinsamen Erklärung" vereinbarten musealen Präsentation der deutschen Minderheit in Polen und ihrer Geschichte. Plaszczek: "Jetzt wurde hilfsweise diesbezüglich eine Zusammenarbeit mit dem Oberschlesischen Landesmuseum vereinbart, weil man in Polen offenbar nicht weiterkommt".

Insgesamt möchte Plaszczek keineswegs das Erreiche schmälern. "Die Nachbarschaft ist gut. Dazu haben wir sicherlich einen wesentlichen Beitrag geleistet. Es gibt allerdings ein paar neuralgische Punkte, die wichtig für die Existenz der Minderheit sind, und deren Lösung im Moment noch nicht in Aussicht steht, allen voran das Bildungswesen der Minderheit", erklärt Plaszczek. Unter Freunden müsse man dies auch offen ansprechen und die Finger in die Wunde legen können, sonst hätte die Freundschaft kein stabiles Fundament.



Ältere Artikel finden Sie in unserem Archiv.
Zurück zur Übersicht.
LdO beim Papst


News-Ticker
Presseschau
Suche
Newsletter abonnieren
Bleiben Sie stets auf dem Laufenden!
Ihre E-Mail Adresse:

 
Termine
Impressionen
 
 
   
0.17 sec. | 119571 Visits